Mittwoch, 5. November 2014

Russian Railroads

Transsibirische Schienenleger

Die Transsibirische Eisenbahn ist für viele Westeuropäer und Nichteisenbahner mit mehr Rätseln belegt, als andere rekordverdächtige Bauwerke. Wie lang ist sie? Wann wurde sie gebaut? Fahren noch immer Züge auf ihr? Auch die spielerische Umsetzung des Themas, „Russian Railroads“, gibt Rätsel auf: es lässt unzählige Strategien zu, einen Königsweg zum Sieg scheint es dabei nicht zu geben. Und obwohl jeder seine eigenen Schienenwege baut und die eigene Industrie entwickelt, sind andere Spieler unersetzlich für das Spielgefühl; „Russian Railroads“ gaukelt einen Mangel an Interaktion vor, doch kann es sein Gesicht mit jedem neuen Mitspieler völlig ändern und ungeahnte taktische Zwänge bescheren. Schließlich zeigt es an vielen Ecken und Enden sein abstraktes und mechanisches Spieldesign, schafft es aber dennoch uns zu fangen und geradewegs in den kalten Osten, irgendwann am Ende des 19. Jahrhunderts zu befördern. Man hat das Gefühl mit einer Kohleschaufel auf einem schnaufenden Dampfross zu stehen und dieses aufopferungsvoll bis zum Pazifik voranzutreiben.
Wir begeben uns ans Werk ein Mammutprojekt zu verwirklichen, bauen die Transsib und weil wir schon einmal dabei sind obendrein zwei weitere wichtige Eisenbahnstrecken. Nebenher forcieren wir noch die industrielle Entwicklung Mütterchen Russlands, denn die hing ja auch damals schon am Tropf der zaristischen Verkehrspolitik. Neue Lokomotiven sichern uns eine größere Reichweite, das ist gut. Die Loks verlangen modernere Strecken, das ist schlecht. So sprießen immer neue Baustellen wie die Pilze aus dem Boden. Also schielen wir auf eine mögliche Unterstützung; clevere Ingenieure müssen her. Die fallen aber nicht vom Himmel. Das Anwerben kostet Zeit und Geld. Bei all diesen Vorhaben wird schnell klar: wir können uns nicht allem mit gleichem Eifer zuwenden. „Russian Railroads“ verlangt folgerichtig ein geschicktes Händchen beim Optimieren des Verzichtend.


Wer taktische Spiele mag und das ersinnen erfolgreicher Strategien liebt, kommt an „Russian Railroads“ nicht vorbei. Es verspricht ordentlich Langzeitspaß auf der Suche nach den Antworten auf all die Rätsel. Apropos: die mittlerweile sehr moderne und viel befahrene Transsib reicht von Moskau bis ins über 9000 Kilometer entfernte Wladiwostok am Pazifik, wurde von 1891 bis 1916 gebaut und bis zum Jahr 2002 weiter ausgebaut und modernisiert.

Für 2-4 Eisenbahner ab 12 Jahren, Autoren: H. Ohley & L. Orgler, Verlag: Hans im Glück

Keine Kommentare:

Kommentar posten