Samstag, 23. Februar 2013

Archipelago

Ist so kalt der Winter

Die Tage werden länger, doch der Winter wagt einen neuen, unerschrockenen Anlauf. Der will keine Ruhe geben, und uns lockt sprichwörtlich nichts und niemand hinter dem Ofen hervor. Und da die Abende noch lang sind, dürfen es auch die Spielabende sein. „Archipelago„ zaubert mit einem Südseeflair Milde und Blütenduft ins triste Grau des winterlichen Nordens. Zeit ist erforderlich und die Bereitschaft zu lernen. Wer beides mitbringt wird mit einem epischen Spielgefühl belohnt das gerne Stunden andauern darf.

Im Jahre 1492 startet die Mission der Spieler. Aus Europa kommen sie mit ihren Expeditionsteams in die Neue Welt, entdecken einen Archipel und stellen sich der Herausforderung diesen zu kolonialisieren. Exotische Güter werden sie in die Alte Welt verschiffen und die Neue Welt mit pulsierendem Leben, geschäftigem Treiben und wachsender Bevölkerung bereichern. Doch müssen die Spieler gemeinsam Acht geben den Archipel nicht auszubeuten, seine Bevölkerung in Armut und Unzufriedenheit zu stürzen und gegen sich aufzubringen. Das Gelingen aller hängt davon ab, wie geschickt jeder Einzelne agiert, denn jede Aktion beeinflusst das gesamte Gefüge. Besteht beispielsweise ein Überangebot an Ressourcen auf den Märkten kann das zu einem geringeren Bedarf an Arbeitern führen. Doch viele arbeitslose Einheimische steigern die Bereitschaft der Bevölkerung gegen die Kolonialisten zu rebellieren und führen schlimmstenfalls zu einem Unabhängigkeitskrieg. Ist das Angebot hingegen zu gering, werden die Nachfrage der Bevölkerung und die Bedürfnisse in der Alten Welt vernachlässigt. Gerät das Gleichgewicht aus den Fugen scheitern alle Spieler.
Vor diesem Hintergrund müssen der Archipel weiter erkundet, Ressourcen geerntet, lebhafter Handel betrieben, Gebäude errichtet und neue Arbeiter angeworben werden. Herrscht Wohlstand und Zufriedenheit in der Bevölkerung, dann bleibt Zeit sich dem Fortschritt zu widmen oder gar Weltwunder zu errichten. Dabei agiert jeder Spieler für den eigenen Ruhm und gegen seine Mitstreiter, am Ende wird es entweder viele Verlierer oder einen Sieger geben.
„Archipelago“ ist ein komplexes Spiel, in dem die vielen Elemente fein miteinander verzahnt sind. Das erzeugt hohe Realitätsnähe und niveauvolle Spieltiefe. Die Spielverläufe sind enorm vielfältig und garantieren einen schier unerschöpflichen Wiederspielreiz. Mit drei unterschiedlichen Varianten kann obendrein die Spieldauer gesteuert werden. So dürfte „Archipelago“ sogar noch auf den Tisch kommen, wenn die Tage wieder länger und die Spielabende kürzer werden.




Archipelago, von Christophe Boelinger für 2 bis 5 Entdecker ab 14 Jahren. Spieldauer 30 bis 240 Minuten. Verlag: Ludically, Asmodée

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